Freitag, 1. Januar 2010

Lebensmeilen

Ende November. Drei Grad. Draussen ist es grau, nasskalt. Typisches Novemberwetter eben. Wer träumt da nicht von einer schönen Reise. In die Sonne, an den Strand, in die Berge? Um keine Zeit im Urlaub zu verlieren, buchen wir mit einem Click den nächsten Flieger. Und machen sofort auf Tempo und tauschen nur die Kulisse aus: Könnte der Gartenzaun aus Bottrop-Kirchhellen nicht auch in Südafrika heimelig aussehen? Und bitte schön: immer fotografieren, filmen und lächeln. Ja, man ist wirklich da gewesen...
Und manch einer möchte gerade auf einer Reise entschleunigen und wählt bewusst den Zug. Er sammelt keine "more and miles", sondern erfährt bei jedem Kilometer die Verbindung zu Land und Leute. Und sammelt ein Meer an Erfahrungen, freut sich auf das Unvorhergesehene. Auf Begegnungen mit wachen Menschen und ihren spannenden Geschichten. Geschichten, die auch die Seele in Bewegung setzen und sich auf der Festplatte des Lebens festschreiben.
Und was sammeln Sie auf Ihrer Lebensreise?
In seinen Roman "Nachtzug nach Lissabon" beschreibt der Philosoph Pascal Mercier das Leben als eine Reise: "Ich wohne in mir wie in einem fahrenden Zug. Ich bin nicht freiwillig eingestiegen, hatte nicht die Wahl und kenne den Zielort nicht. Eines Tages in der fernen Vergangenheit wachte ich in meinem Abteil auf und spürte das Rollen. Es war aufregend, ich lauschte dem Klopfen der Räder, hielt den Kopf in den Fahrtwind und genoß die Geschwindigkeit, mit der Dinge an mir vorbeizogen."(Mercier 2004, S. 423)
"Ist der Lebenslauf - wie Mercier es darstellt - eine Reise, bei welcher immer wieder wechselnde Lebensräume an uns vorbeiziehen, wir aber in den vier Wänden unserer selbst verharren und dabei dieselben bleiben? Oder verändern auch wir uns mit dem steten Wandel der Landschaft und lassen uns immer wieder neu von der Landschaft ansprechen? Träume kommen auf, wie das Leben geworden wäre, hätte man in einer dieser verheißungsvollen Gegenden, die an einem vorbeiziehen, leben können. Die Frage drängt sich auf: Was ist aus meiner Lebensreise geworden? Folgt sie noch dem ursprünglichen Plan, den ich einmal erträumt hatte, oder läuft sie in eine Richtung, die ich so nie gewollt hätte? Bin ich darin der geworden, der ich zu werden mir ursprünglich vorgestellt hatte? Wenn das Ziel der Reise war, zu mir selbst zu kommen, bin ich bei mir angekommen? Was soll das überhaupt heissen, zu sich selbst kommen? Wer hat das je geschafft? Wer kann sagen, wer er wirklich ist? Ist das überhaupt ein Ziel? Gehört zum Reisen nicht eher, dass wir nie ganz ankommen, dass wir immer unterwegs sind, immer unvollendet?" Jürg Willi, Wendepunkte

Und wie beginnen wir unsere Lebensreise: mit dem ersten Schritt, den Du jetzt gerade tust. Dazu der spirituelle Lehrer Eckhard Tolle: " Deine Lebensreise hat eine äußere und eine innere Absicht. Die äußere Absicht ist, an Deinem Ziel oder Bestimmung-sort anzukommen.... Wenn aber Deine Bestimmung, die Du in der Zukunft machen willst, so viel von Deiner Aufmerksamkeit beanspruchst, dass Sie für Dich wichtiger werden als der Schritt, den Du gerade jetzt machst, dann verpasst Du die innere Absicht Deiner Reise völlig... Deine innere Reise braucht nur einen Schritt, den Du jetzt gerade tust. Wenn Dir dieser eine Schritt bewusster wird, dann wirst Du erkennen, das er bereits alle anderen Schritte in sich trägt, ebenso wie den Bestimmungsort. Dieser eine Schritt wird dann zu einem Ausdruck der Perfektion, zu einer Handlung von immenser Schönheit und Qualität. Er wird Dich ins Sein bringen und das Licht des Seins wird durch ihn leuchten. Das ist das Ziel und das ist die Erfüllung Deiner inneren Reise, der Reise nach innen, zu Dir selbst."

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Liebe Frau Zecher,

Sie haben so recht: Wer nicht mit der Zeit geht, mit der Zeit. Und die Zeichen der Zeit stehen ganz klar auf Entschleunigung und geistige Entlastung; dafür sind Sie wahrlich die Expertin.

Weiter so: Gehen Sie voran!

Mit herzlichem Gruß

Jon Christoph Berndt, brandamazing: GmbH, München (www.human-branding.de)